Die Zecken-Zeit beginnt bald wieder

Bei Zecken handelt es sich um Parasiten, welche nur kurzzeitig auf ihren Wirtstieren leben. Allerdings verbleiben weibliche Zecken wesentlich länger auf dem Wirt, da sie eine grössere Blutmahlzeit zur Produktion der Eier benötigen. Zecken gehören nicht zu den Insekten sondern zählen zu den Milbenartigen. Zecken lauern ihren “Opfern” an Pflanzen sitzend auf. Wenn sie einen Wirt gefunden haben, wandern sie eine zeitlang auf ihm umher, um dann an einer dem Parasit genehmen Stelle festzubeissen. Ein Zeckenbiss erfolgt als Stich mit dem Hypostom genannten Mundwerkzeug. Dabei hält sich die Zecke mit ihren restlichen Mundwerkzeugen fest, einige Arten kleben sich quasi auch im Maulbereich an den Wirt. Um eine dauerhafte Blutmahlzeit für den Parasit zu sichern, ist der Speichel der Zecken gerinnungshemmend, gewebszersetzend und lokal betäubend. Es wird so ein frühzeitiges Entfernen durch den Wirt verhindert und dauerhafter Blutfluss aus der Wunde gesichert. Durch diese Eigenheiten kommt es allerdings auch zu den Hauptproblemen durch Zeckenbefall. Der in die Wunde injezierte Zeckenspeichel kann an sich schon lokale Entzündungen auslösen, welche zum so genannten Zeckengranulom führen. Deutlich schwerwiegender sind aber die mit dem Speichel in den Wirtskörper gelangenden Krankheitserreger.

Die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung ist die Borreliose. Sie spielt beim Hund eine grosse Rolle, ist bei der Katze allerdings praktisch bedeutungslos. 
Es handelt sich bei Borrelien um sogenannte Spirochäten, korkenzieherartig gewundene Bakterien. Da sie sehr vielfältige unspezifische Symptome hervorrufen können und eine Infektion auch oft völlig ohne Krankheitssymptome verläuft, ist eine Diagnosestellung oft sehr schwierig. Symptome können Mattigkeit, Fieber, Nervenentzündungen, Lahmheiten und ähnliches sein. In Europa spielen drei Borrelienspezies eine Rolle: Borrelia garini (nur in Europa), Borrelia afzalii (nur in Europa), Borrelia burgdorferi sensu stricto (weltweit vorkommend). Infektionen werden nur von Zecken übertragen. Eine Übertragung von Hund zu Hund oder von Hund zu Mensch kommt nicht vor. 
Die Borreliose kann von allen bekannten Zeckenarten auf den Hund übertragen werden. Eine Ansteckungsgefahr herrscht praktisch überall, wo es mit Borrelien infizierte Zecken gibt. Die Borrelien-Erreger wandern vom Verdauungstrakt der Zecke in ihre Speicheldrüse. Von dort gelangen sie beim Blutsaugen in die Haut des Hundes. Je länger die Zecke saugt, desto größer ist das Risiko einer Borrelieninfektion. Seit einigen Jahren gibt es eine Impfung für den Hund gegen Borreliose. Bei den moderneren Impfstoffen sind alle drei in Europa vorkommende Borrelienstämme enthalten. Eine weitere Gruppe der durch Zecken übertragenen Krankheiten werden durch sich intrazellulär vermehrende Bakterien ausgelöst. Dazu zählen Anaplasmen, Ehrlichen, Mycoplasmen bzw. Hämobartonellen. Diese Bakterien vermehren sich im Gegensatz zu “normalen” Bakterien nur in bestimmeten Wirtszellen. Deshalb wird auch seit langem über ihre wissenschaftliche Einordnung und Einteilung gestritten. Es gestaltet sich wohl schwierig, da sich die Natur nicht an unser wissenschaftliches Schubladendenken hält. Als Wirtszellen dienen je nach Art der Bakterien und der betroffenen Tierart hauptsächlich verschiedene Blutzellen. Dies führt zu akuter Anämie (Blutarmut), Gerinnungsstörungen, Entzündungen der Inneren Organe, sowie Augen und Nerven (generalisierte Nervenentzündungen). Als begleitende Symptome können Fieber, Schwäche, Erbrechen, immunvermittelte Gelenkentzündungen vorkommen. Die Symptome variieren je nach Tierart, Erreger und Immunstatus stark. Diese Erkrankungen verlaufen in der Regel hochakut und sind sehr schwerwiegend. Viele der Erreger aus dieser Gruppe kommen hauptsächlich in Südeuropa vor. Einige kommen allerdings auch hier in Deutschland seit jeher vor.

Eine weitere Gruppe der durch Zeckem übertragenen Erreger sind Parasiten. Der wichtigste Vertreter sind hier die Babesien. Sie lösen die Babesiose auch “Hundemalaria” genannt aus. Die Babesien befallen die roten Blutkörperchen und zerstören diese dadurch. Auch hier treten als Symptome Blutarmut, Gewichtsverlust, Fressunlust, Fieber, Krampfanfälle, Bewegungsstörungen unter Umständen auch rötlich verfärbter Urin oder Gelbsucht auf. Die Erkrankung verläuft meist hochakut und kann unbehandelt schon nach wenigen Tagen zum Tod führen. Ein Impfstoff ist in Deutschland leider nicht verfügbar. Eine durch orale Aufnahme von Zecken übertragene Parasitose ist die Hepatozoonose. Diese führt zu ähnlichen Symptomen wie die Babesiose, verläuft im Allgemeinen aber milder. Sie kommt in Europa ausschliesslich in südlichen Breiten vor. Sie gilt somit als reine Reisekrankheit. Durch Zecken übertragene Viren spielen bei Hund und Katze nur eine sehr untergeordnete Rolle. Die beim Mensch häufig vorkommende FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) ist beim Hund zwar beschrieben worden, kommt aber als Krankheitsbild sehr selten vor.

 

Prophylaxe

 

In den letzten Jahren ist die Anzahl und Häufigkeit der durch Zecken übertragenen Erkrankungen stark angestiegen. Auch Erkrankungen die vor einigen Jahrzehnten in unseren Breiten kaum oder gar nicht vorgekommen sind diagnostizieren wir mittlerweile regelmässig in unserer Praxis. Umso wichtiger ist die Prophylaxe. Zur Zeckenprophylaxe stehen verschiedene Wirkstoffe, meist in Form von Spot-On Präparaten zur Verfügung, teilweise aber auch als Halsband. Spot Ons werden auf den vorderen Rückenbereich der Tiere aufgeräufelt. Die wichtigste Funktionen sind die Abschreckung und das Töten der Zecken. Nicht alle Präparate werden von Hund und Katze gleichermassen vertragen. Da es eine Vielfalt von Präparaten auf dem Markt gibt lassen Sie sich von uns beraten. Die frei im Handel oder der Apotheke zu erwerbenden Präparate haben keine ausreichend repellierende (abschreckende) Wirkung auf Zecken. Diese töten zwar die Zecken ab, allerdings häufig erst nach dem Biss, so dass eine Infektion nicht sicher ausgeschlossen werden kann. Am besten ist die Zecke, die das Tier erst gar nicht besucht. Die Prophylaxe-Behandlung muss regelmässig wiederholt werden. Die Intervalle liegen bei SpotOn Präparaten meist bei 4 Wochen. Halsbänder müssen in der Regel erst nach mehreren Monaten getauscht werden.

Sollte sich trotz Behandlung eine Zecke festgebissen haben, muss diese entfernt werden. Am besten funktioniert das mit einer speziellen Zeckenzange, mit der die Mundwerkzeuge der Zecke gefasst werden können. Es sollte kein Druck auf den Zeckenkörper ausgeübt werden! Die Zecke dann locker ohne Zug drehen (die Richtung spielt keine Rolle), bis sie sich leicht entfernen lässt. Auf gar keinen Fall darf Öl oder Klebstoff auf die Zecke aufgetragen werden, da sie sonst im Todeskampf massiv Speichel in die Bisswunde einbringt. Dies erhöht das Infektionsrisiko enorm! Reisst beim Entfernen der Zecke der Zeckenkopf ab und verbleibt in der Wunde, sollten sie diese vom Tierarzt entfernt werden. Abgerissene Zeckenteile wandern übrigens NICHT durch den Körper, sondern werden durch Entzündung abgestossen. Entfernte Zecken sind zu töten, da sie sonst unter umständen zur Eiablage und somit Vermehrung kommen.