Vergiftungen bei Hund & Katze

Aus aktuellem Anlass möchte ich heute auf Vergiftungsfälle bei Hund und Katze eingehen. Leider werden recht häufig Tiere mit Verdacht auf Vergiftung in unserer Praxis vorgestellt oder wir äussern diesen. Den genauen Anteil der tatsächlichen Vergiftungsfälle zu beziffern fällt dabei allerdings schwer, da die Tiere meist nicht bei der Aufnahme der Giftstoffe beobachtet werden und die Symptome häufig sehr unterschiedlich und je nach Giftstoff nicht unbedingt eindeutig sind. Ein Nachweis von Giftstoff ohne genauen Verdacht ist sehr aufwendig und teuer, steht also für die Diagnose meist nicht zur Verfügung. Auch der Zeitraum in dem die Symptome erstmals erscheinen variiert je nach Stoffklasse extrem von wenigen Minuten bis mehrere Wochen oder gar Monaten. Die Aufnahme des Giftes erfolgt oral durch fressen, ablecken oder benagen, seltener auch per Kontakt über die Haut oder durch einatmen. Die häufigsten Symptome sind starker Speichelfluss, Krämpfe, Erbrechen, Durchfall, blasse Schleimhäute, Blutungen, Gleichgewichts- und Bewusstseinsstörungen, Zittern, Pupillenveränderungen (extreme Eng- oder Weitstellung), Übererregung, Apathie.

Diese Symptome können auch in verschiedenen Kombinationen vorkommen. Hinzu kommt, dass alle diese Symptome auch bei weniger akuten Erkrankungen auftreten können. Es gibt also nicht  “Die Vergiftungs-Symptomatik”. Um so wichtiger ist es, sensibel gegenüber möglichen toxischen Substanzen zu sein um Kontakt zu verhindern. Erfahrungsgemäss kommen die meisten, wirklich nachweisbaren, Vergiftungsfälle im direkten familiären Umfeld des Tieres vor. Meist gehen sie glimpflich aus, allerdings gibt es immer wieder auch schwerwiegende Verläufe besonders durch orale Aufnahme der Gifte. Besonders gefährdet sind hier Hunde, die quasi Allesfresser sind, also an allem herumknabbern und es teilweise auch fressen. Hier werden meist Schokolade, Schneckenkorn, Medikamente und Rauschmittel zum Problem. Bei Katzen steht das Fressen von Zierpflanzen oder das Trinken von aus dem Blumentopf ausgetretenen Giesswasser an erster Stelle. Fast alle Zierpflanzen sin problematisch: Benjamini, Drachenbaum, Christrose ect. sind zumindest mindergiftig, viele auch wirklich toxisch. In diesen Pflanzen und einigen Arzneien enthaltenen Stoffgruppen können speziell von Katzen nicht abgebaut werden. Dies beruht auf einem genetisch bedingtem Enzymmangel. Auch die Aufnahme von permetrinhaltigen Parasitenmitteln, welche nur im Umfeld von bzw. an Hunden angewendet werden dürfen, führen durch Unwissenheit der Besitzer oder unzureichende Deklaration durch die Hersteller zu Problemen.

 

Was ist nun im Falle einer Vergiftung zu tun?

Am wichtigsten ist es, Ruhe zu bewahren und auch den Eigenschutz nicht zu vernachlässigen. Hindern sie das Tier an der weiteren Aufnahme des Giftstoffes. Sollte sich das Tier schon in einem kritischen Zustand befinden ist es wichtig die Atemwege freizuhalten. Bei Übererregung und Krämpfen beruhigen sie das Tier. Sollte wie bei Schneckenkornvergiftungen häufig, die Körpertemperatur stark erhöht sein, kann auch Kühlen der Beine hilfreich sein. Rufen sie eine Tierarztpraxis an und melden sie sich dort unter Angabe Ihres Verdachtes und der vorhandenen Symptome an. Wenn möglich, bringen sie den Giftstoff oder die Verpackung bzw. Beipackzettel desselben mit in die Praxis. Optimal ist, wenn die Menge und der Zeitpunkt der Aufnahme in Erfahrung gebracht werden können. Dadurch ist es möglich in der Praxis eine schnelle und effektive Behandlung einzuleiten. Einer der wichtigsten Punkte bei der Behandlung ist, die Therapie auf die Art und Schwere der Vergiftung zuzuschneiden, sonst kann die Behandlung selbst zu Problemen führen. Nicht alle Gegengifte sind ungiftig. Sie dürfen nur bei Vergiftungen des Tieres mit den entsprechenden Giften eingesetzt werden. Deshalb sind Informationen über das Geschehen so wichtig. Handeln sie schnell, denn bei den allermeisten Giften ist das effektivste, sie aus dem Körper wieder hinaus zu befördern. Zwei Stunden nach Giftstoffaufnahme bleiben, um noch ein Erbrechen bei den betroffenen Tieren herbeizuführen. Bei der Behandlung werden weitere verschiedene Massnahmen eingesetzt. Das kann von Antidotgabe bis hin zur stationärer Aufnahme des Patienten mit Infusion, Bluttransfusion, Magenspülung, Aktivkohlegabe oder auch tagelanger Sedation des Patienten je nach Art und Schwere der Vergiftung reichen. Gegebenenfalls auch Massnahmen zur Entfernung des Giftes von der Körperoberfläche durch Waschen und  Scheren. Ganz wichtig ist auch die Kontrolle der Organfunktionen mittels Blutuntersuchung. Dieses sollte auch nach einiger Zeit nochmals wiederholt werden um Langzeitschäden auszuschliessen. Im Allgemeinen sind die lebensbedrohlichen Vergiftungen seltener, haben sich allerdings bei uns in der Praxis in letzter Zeit häufiger eingefunden. Auch wird der “böse Nachbar” meiner Erfahrung nach häufiger zum Schuldigen gemacht, als er es wirklich ist.

Natürlich gibt es unverständlicherweise diese Fälle, aber die allermeisten Vergiftungen sind vermeidbar. Senken sie das Risiko durch Entfernen der giftigen Substanzen aus dem Umfeld Ihrer Tiere. Bringen sie Ihrem Hund bei beim Gassi-Gehen bei nichts aus der Umgebung aufzunehmen bzw. es auf Zuruf wieder fallen zu lassen. Zugegeben, ist das bei einigen Hunden schwierig, aber mit Konsequenz vielleicht doch erreichbar. Beschäftigen sie die Tiere, damit sie nichts aus Langweile anknabbern. Sollte doch etwas passieren, handeln sie zielgerichtet und entschlossen.

 

Häufigste Vergiftungs­ursachen

 

  • Rattengift | Wirkstoff: Cumarinderivate | Symptome: Blutungen | Wirkeintritt: nach mehreren Tagen
  • Schneckenkorn | Wirkstoff: Metaldehyd | Symptome: Muskelkrämpfe, Zittern, Übererregung | Wirkeintritt: nach etwa einer Stunde
  • Frostschutzmittel | Wirkstoff: Ethylenglycol | Symptome: Apathie, Erbrechen, Nierenschäden | Wirkeintritt: nach einigen Minuten
  • Rauch / Abgas | Wirkstoff: Kohlenmonoxid | Symptome: Lungenödem, Atemnot, Verwirrtheit | Wirkeintritt: nach einigen Minuten
  • Kakao & Schokolade | Wirkstoff: Theobromin | Symptome: Unruhe, Übererregung, Muskelzittern | Wirkeintritt: nach ca. 6 Stunden
  • Parasiten-Mittel | Wirkstoff: Permethrin (nur für Katzen toxisch) & Ivermectin (toxisch für Hunde mit genetischem Defekt (Mdr1)) | Symptome: Krämpfe, Wirr, Desorientierung, Leber- & Nierenschäden | Wirkeintritt: nach mehreren Stunden
  • Medikamente & Rauschmittel | Wirkstoff: viele, dosisabhängig | Symptome: unterschiedlich | Wirkeintritt: kurzfristig bis mehrere Tagen
  • Säuren & Laugen | Wirkstoff: viele | Symptome: Verätzungen, Schleimhautreizung, Durchfall, Erbrechen | Wirkeintritt: sehr kurzfristig
  • Giftplanzen | Wirkstoff: meist Alkaloide, Saponine und andere | Symptome: sehr unterschiedlich | Wirkeintritt: sehr unterschiedlich